50 Jahre Dudenhofen: Opel gewährt Einblick in geheimes Prüfzentrum

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09.09.2016

50 Jahre Dudenhofen

Opel gewährt Einblick in geheimes Prüfzentrum

Opels Testcenter in Dudenhofen feiert Jubiläum.

Von Christian Ebner/dpa und Peter Maahn/SP-X

Opel-Cheftester Matthias Schollmaier baut auf den menschlichen Faktor: "Wir werden hier in Zukunft auch Autos ganz ohne Fahrer testen. Auf Menschen können wir aber dennoch nicht verzichten." Wie andere Autohersteller betreibt Opel einen enormen Aufwand, seine neuen Modelle vor dem Marktstart auf Herz und Nieren zu prüfen. Das geschieht meist in dem 50 Jahre alten Testzentrum in Rodgau-Dudenhofen, das längst auch ein wichtiger Teil der Entwicklungsabteilung geworden ist. Ingenieure müssen dort ihre Innovationen mit der Wirklichkeit konfrontieren.

Zum 50. Jahrestag des einstmaligen "Prüffelds" hat die europäische General-Motors-Tochter bereits rund 30 Millionen Euro investiert, ein weitere zweistelliger Millionenbetrag soll bis 2020 folgen. Autonomes Fahren und Elektromobilität sind bereits seit Jahren auf dem streng abgeschirmten Gelände präsent. Hier weichen Autos wie von Geisterhand gelenkt plötzlich auftauchenden Hindernissen aus. Und das für 2017 angekündigte Batterie-Auto Ampera-E wird auf den europäischen Markt angepasst. Auch "Erlkönige" neuer Modelle und Prototypen rollen über die Pisten, sorgfältig geschützt vor allzu neugierigen Fotografen.

Viele Tests können zwar am Computer simuliert werden, sagt Schollmaier, doch dabei müsse nicht zwingend ein gutes Auto herauskommen. Letztlich müsse der Mensch beurteilen, wie die Technik funktioniert und verbessert werden kann. Auf die althergebrachte Autofolter mit tiefen Schlaglöchern, Kopfsteinpflaster, Salzwasserbädern, Split und Rüttelstrecken können die Rüsselsheimer auch künftig nicht verzichten. In nur 24 Wochen, also nicht einmal einem halben Jahr, durchleben die Dauertestwagen ein extrem hartes Autoleben. Es gibt auch eine Klimakammer, den extremen Winter erleben die Opel-Testwagen aber meistens in Schweden.

Bewegt werden sie in Dudenhofen von rund 150 Fahrern, die im Dreischichtsystem nach Computervorgaben tagtäglich über die diversen Marter-Strecken im Rodgauer Wald kurven. Am Tag kommen so bis zu 40.000 Kilometer zusammen, eine komplette Erdumrundung. "Die meisten Fahrer sind gelernte Mechaniker. Die können uns die Fehler am besten beschreiben", sagt der Programmleiter Thomas Simon.

Modernstes Autotest-Zentrum Europas in 1966

Bei seiner Eröffnung 1966 war Dudenhofen das modernste Autotest-Zentrum Europas. Auf der Suche nach einem großen Gelände wurde man damals in Dudenhofen fündig. Nahe der kleinen Pfälzer Gemeinde stand ein Areal zum Verkauf, das für den Neubau eines geplanten Testgeländes von Opel ideal schien. Der Autobauer gab den Auftrag, mit dem Bürgermeister des Ortes in Verbindung zu treten. Die Maklerfirma schrieb einen freundlichen Brief mit einem Verhandlungsangebot an das Gemeindeoberhaupt. Leider aber landete der bei Ludwig Kratz. Der war zwar auch Bürgermeister, aber von einem anderen Dudenhofen, das gut 25 Kilometer östlich von Frankfurt liegt. Ein Mitarbeiter hatte vergessen, die damals gerade neu eingeführte Postleitzahl auf den Umschlag zu schreiben. So landete das Schreiben im "falschen" Dudenhofen. Die unglaubliche Episode wurde jetzt zum 50. Jubiläum des Opel-Testgeländes aus der Vergessenheit des Firmenarchivs ans Licht geholt. Auch die Tatsache, dass Bürgermeister Kratz sofort zu Chance für neue Steuereinnahmen witterte und dem Konzern ein großes Gebiet zur Verfügung stellte, das eigentlich gar nicht zu verkaufen war.

Getestet wurden damals Autos mit Namen wie Kadett, Rekord oder Kapitän. Das Gelände im östlichen Rhein-Main-Gebiet ist damit drei Jahre älter als das Prüffeld des ewigen Konkurrenten Volkswagen, dem die GM-Tochter in den 60er-Jahren noch meilenweit vorausfuhr. Die Wolfsburger schirmen ihr Areal in Ehra-Lessien in der Heide noch strenger ab und verzichteten bislang auf Jubiläumsfeiern, zu groß ist die Furcht vor Werkspionage. Auch im niedersächsischen Wald findet sich eine riesige, fugenfreie Schleuderplatte, wie sie sich jetzt Opel neu geleistet hat.

Auf der alten werden zur Jubiläumsfeier an diesem Samstag (10. September) die Ikonen aus besseren Opel-Zeiten ausgestellt - ein beliebtes Fotomotiv, das auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann für die sozialen Medien entdeckt hat. Die Rückbesinnung etwa auf den Sportwagen Opel GT passt nach Dudenhofen, denn der schnittige Zweisitzer ist das erste Modell, das hier komplett entwickelt wurde. Eine Designstudie mit der GT-Silhouette steht für den Anspruch Opels, wieder in die Gewinnzone zurückzufahren und zu den führenden Herstellern Europas zu zählen.

Investitionen in Strecken

Opel hat in den vergangenen drei Jahren bereits 28,5 Millionen Euro unter anderem in den Bau einer 1,7 Kilometer langen Geraden investiert, die seit dem Frühjahr in Betrieb ist. Auch der Rundkurs mit Steilkurven wie bei der Carrera-Bahn wurde 2012 erneuert, weil die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h erhöht werden musste. Die Kurvenneigung dient dazu, die Querkräfte zu neutralisieren. 1972 wurde auf der Piste ein Diesel-Weltrekord mit 197 km/h aufgestellt - ein heute alltägliches Tempo, das bis dato noch kein anderer Selbstzünder geschafft hatte.

Bis 2020 soll ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag in das Gelände fließen. Geplant sind weitere Prüfstände, Lagerhallen, Parkhäuser und Teststrecken innerhalb des vorhandenen Areals. Die Tankstelle hat bereits 16 verschiedene Spritsorten parat - nach den jeweiligen Bedürfnissen der Länder, in die die Autos ausgeliefert werden. Am Ende der Bauarbeiten wird sich die Länge der Teststraßen auf 90 Kilometer belaufen - fast drei Mal so viel wie zu Beginn.

Ausweichmanöver, Gewaltbremsungen aus hoher Geschwindigkeit und Assistenzsysteme: Täglich werden hier 40.000 Kilometer abgespult. In den letzten 50 Jahren waren es über 200 Millionen Kilometer. Das erste neue Modell, das das inzwischen in Opel Test Center umgetaufte Areal befahren durfte, war der trendige Opel-Sportwagen mit dem Kürzel GT. Derzeit dreht einer der kommenden Stars des Pariser Salons, der am 1.Oktober beginnt, seine finalen Runden. Der noch stark getarnte Opel Ampera-e, ein reines Elektroauto mit fünf Türen und fünf Sitzen, soll mit einer Reichweite von über 300 Kilometern die meisten seiner Rivalen übertrumpfen.

Die eigene Tankstelle des Testcenters kann der Stromer links liegen lassen. Keine der 16 Kraftstoffsorten, die wegen der vielen unterschiedlichen Anforderungen in den zahlreichen Ländern für den Erprobungsbetrieb zur Verfügung stehen, können den Ampera-e locken. Er schlürft seine Energie aus einer die vielen E-Zapfstallen, die in Dudenhofen für die Autos von Morgen bereitstehen.

 

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(Foto: Opel)

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